Wer hat den Gürtel? Juni 2020

Ich fand @christian.alt s Einwand interessant: ”Geht das denn nicht anders, kann ich denn nicht eine total emotionale Szene haben, wo jemand über den Holocaust spricht, in einem Spiel, wo man normal mit Gewalt umgeht ?“

Ich habe mich dagegen die ganze Zeit gefragt: Wie toll wäre mal ein AAA-Spiel, mit demselben milliardenschweren Produktionsaufwand, das völlig ohne Gewalt auskommt? Wo die Leute einfach mal kurz innehalten und miteinander reden, statt dem anderen immer sofort ungefragt die Nagelkeule ins Gesicht zu brettern?

Ich bin ja immer noch mittendrin und das ist so eine geil bis ins kleinste Detail modellierte Welt, so schöne Locations (Stadion, Museum, Aquarium …), Naughty Dog hat sich wirklich Mühe gegeben jeden einzelnen Raum auszugestalten, ich mag auch die kleinen Geschichten, Dramen die über die herumliegenden Zettel oder einfach nur durch Details wie gepackte Koffer und noch herumstehendes Frühstück erzählt werden, die unfassbare Melancholie die diese düstere, hoffnungslos-dystopische Scheißwelt in den ruhigen Momenten versprüht. Und denke dann immer was man aus dieser an für sich toll gestalteten Welt alles hätte herausholen können, wenn man da nicht nur ständig durchhetzen müsste.

Unwillkürlich lande ich dann wieder bei dem legendären Edge-Fazit im Doom Review von 1994 (haben wir in diesem Forum schon mal besprochen): “If only you could talk to these creatures, then perhaps you could try and make friends with them, form alliances… Now that would be interesting.” 26 Jahre später, und im AAA-Bereich sind wir immer noch nicht viel weiter.

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nachdem bei The Pod auch hier der Gewaltpegel als eher dem Spiel abtrüglich bezeichnet wurde, habe ich mir (als jemand , der so Gewaltpornos wie Hostel eher verachtet und GTA5 schon ziemlich grenzwertig findet) mal ein paar szenen angesehen.
Und ja, es ist lächerlich. Als 14 jähriger hätt ich evtl das noch gefeiert: „Oida, voll brutales Spiel. Elli sticht dem voll das Feitel ins Kreuz. Beste“

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Für mich passt das hier total. Es ist zuviel von der Menge, das stimmt. Aber der Gewaltgrad an sich ist stimmig für das Szenario.

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Es ist ja interessant, wie wenig Spiele so wirklich ohne Gewalt auskommen. Detroit: Become Human hätte die Möglichkeit gehabt oder zumindest ein ähnliches Spiel mit etwas anderem Thema und das hat gerade im Design halt absolut AAA-Niveau.

Aber auch Spiele wie Disco Elysium kommen nicht ohne Gewalt aus. Hier sind vor allem die Trailer und Promobilder interessant, welche dann oft die wenigen Gewaltmöglichkeiten des Spiels in den Fokus rücken. Aus Marketingsicht wohl gar nicht dumm.

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so wirklich gewaltlose Spiele fallen mir jetzt wenig bis garkeine ein, die auch sowas wie mechanik anbieten.
Am ehesten noch die Sportspiele
es hat mal einer Skyrim durchgespielt als Mönch, der entweder nur davongerannt ist, oder seine Gegner besänftigte.
Nur gab es im Spiel 1-2 Stellen, wo das nicht möglich war, da man für den Fortschritt jemanden töten muss.
Ansonsten haben ja sogar Liebspiele wie Stardew Valley ihren Gewaltanteil.

Deus Ex konnte man glaube ich ohne Gewalt durchspielen.

Dishonored konnte man auch komplett ohne tödliche Gewalt lösen, bis auf die „Bosse“ sogar ganz ohne Gewalt mit 100% Stealth

Ausserdem Spiele wie Subnautica (okay… man muss Fische essen), Minecraft geht auch ohne Gewalt, selbst im Survival, Abzû war komplett gewaltfrei, Ghost of a Tale war ein Abenteuer-Spiel (mit einer wahnsinnig süssen Maus als Hauptfigur), das komplett gewaltfrei war, No Man’s Sky kann man ebenfalls ohne Gewalt spielen.

Ja, das will ich diesem Spiel im speziellen jetzt auch nicht vorwerfen, Gewalt, oder die Spirale derselben ist ja das zentrale Thema. Es war mehr ein Gedankenspiel. Obwohl ich in manchen Schlüsselszenen schon gedacht habe: Ellie, Mensch, das hättest du doch jetzt eleganter und vielleicht friedlicher lösen können. Du bist so überlegen, dann kannst du doch zwischendurch mal jemanden entwaffnen und verschonen statt ihr/ihm gleich das Messer in den Hals zu stechen. Der Gewaltgrad verliert einfach schnell seine Schockwirkung wenn man dem x-ten Gegner an die Gurgel gegangen ist.

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Wir leben jetzt ja auch nicht in einer wirklich gewaltfreien Welt, selbst in Deutschland nicht. Und damit meine ich nicht wirklich tatsächlich physische Auseinandersetzungen, die in den meisten Fällen zur Seltenheit gehören, sondern eher als Erfahrung sozialer Ungerechtigkeit, Armut und Elend. Sowas lässt sich aber viel schwerer vermitteln und Videospiele können im Gegensatz zum Film hier durch Interaktion auch nur wenig dazugewonnen um die Erfahrung glaubhafter oder immersiver zu machen. Sich in Videospielen zu betrinken um eine Alkoholabhängigkeit zu vermitteln ist glaube ich kaum möglich, dagen wirkt Gewalt in gewissem Maße schon über die Interaktion würde ich sagen (Abstufungseffekte mal abgesehen) und kann so eher etwas erfahrbar machen. Problem ist hier immer der Anspruch von Spielen, gerade denen die sich gut verkaufen müssen, Spaß sein zu müssen und eigentlich sollte in einer Welt wie TOU wenig wirklich Spaß machen.

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Nein.

Ohne jemanden zu töten, großtenteils.
IIRC musste man die eine Frau in Hong Kong umbringen, weil es sonst nicht weiterging.
Und Deine zwei Kumpane von UNatCo (Gunther und Anna) explodieren, wenn man Sie bewußtlos schlägt.
Ist also auch nicht das, was ich als gewaltfrei bezeichnen würde. :slight_smile:

Ja also… ja aber die alternativen zu die Ziele umbringen sind oft eher schlimmer.

Deus Ex: Nun, jmd einen Betäubungspfeil in den Nacken zu schießen, bewusstlos schlagen etc. ist zwar kein töten, aber ganz gewaltfrei geht das afaik auch nicht? Hab zwar alle auf „pazifistisch“ gespielt, aber bin mir nicht mehr sicher, ob das komplett ohne jegliche Gewalteinwirkung ging? Beim aktuellsten gab es ja den Scheiß mit den Bossen, die musste man bekämpfen.

Ich glaub, man muss auch deutlich unterscheiden zwischen „Ich wende Gewalt an“ und „Ich zeige Gewalt auf brutalstmöglichste Art“. Ich für meinen Teil hab gar nichts dagegen, in Spielen Gewalt anzuwenden. Für Schleichspiele bin ich zum Beispiel zu faul und baller mich da lieber durch. Aber ich bin einfach sehr müde für Gewaltorgien, die sich immer weiter nach oben schrauben. Da erreichen wir auch einen Grad an Realismus, der rein spielmechanisch gar nicht nötig gewesen wäre. So was wie The Last of Us würde ich einfach gern in der FSK-16-Version spielen, das reicht mir.

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ich finde diese extrem zelebrierte, realistische und brutale Gewalt auch extrem abstossend und ermüdend
Wenn man sieht und hört, wie jemand langsam ausblutet, dann noch röchelnd und zuckend am Boden liegt, das ist einfach zu viel, das hat dann etwas von Abstumpfung durch Enthauptungsvideos.

Schon um 2013 rum, als auf der Bows&Helicopters E3 der Trend gross war, dass jedes Spiel extrem brutale nahkampffinisher haben musste mit Erwürgen, erstechen, erschlagen, usw (mir fallen Tomb Raider, Splinter Cell, Call of Duty und andere ein, die das damals präsentierten) fand ich das zum kotzen.
Artifizielle Gewalt gehört halt in Videospielen dazu, das ist ja okay, aber wieso dieses Verlangen, das möglichst grausam und so zelebriert zu präsentieren?
und nein, einen „Effekt“ im Sinne „diese Gewalt soll de Spieler eben schockieren“ entsteht nicht, das erste was man auf Twitch dazu findet ist gröhlen und feiern, dass der nächste rumzappelt und allen anderen ist es nach dreien egal. Man hat einfach nur dem Effekt wegen völlig unnötig die Spirale weitergedreht auf ein Niveau, das ich nicht mehr verteidigen will als Gamer.

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yes! (20,000 Zeichen).

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vor dem Hintergrund ist auch Hitman pazifistisch
man legt die Leute ja nur schlafen

Naja betäuben per Pfeil ist zwar vielleicht nicht nett, aber weitestgehend Gewaltfrei. Das ist ja wie die Spritze vom Arzt.

Ich glaube Anna kann man ohne Gewalt besiegen oder weglaufen oder so…

ach komm jetzt, nur weil man sie mit herausgeschnittener Zunge in die tiefen einer Mine schmeisst!

Bei der Szene im Flugzeug ja, aber dann taucht sie später noch mal auf.
Und wenn man sich da von ihr erschießen lässt (oder, wie ich, den Kampf nicht schafft) kommt es hinterher noch zu einer dritten Konfrontation, der man nicht aus dem Weg gehen kann. (man kann sie nur im Dialog vorher „deaktivieren“ --> Bumm, oder dann im Kampf bewußtlos schlagen --> auch Bumm :slight_smile: )

Ich würde die Darstellung von Gewalt in Videospielen als Abschreckung in ihrer Wirkung auch stark anzweifeln. So richtig nachvollziehen kann ich es aber eher über den Film. Wenn man sich z.B. Antikriegsfilme anschaut habe mich immer eher die bewegt, die hinter die Kulissen geschaut haben, also den Schrecken hinter all der Gewalt und nicht Filme mit den tollsten und explizitesten Schlachten. Ganz „großartig“ sind meines Erachtens Filme wie die letzten Glühwürmchen oder Unter dem Sand…

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