Through the Darkest of Times

Letzte Woche ist das mutmaßlich wichtigste (wie auch immer man das Wort nun auslegen mag) in Deutschland entwickelte Indiespiel des Jahres erschienen: Through the Darkest of Times. Der Widerstands-Simulator kommt in den klassischen Reviews, laut Metacricit jedenfalls, eher mittelmäßig (sprich: ~70) weg. Meiner Meinung nach wird das dem Spiel aber auf keinen Fall gerecht.

Hat das hier wer gespielt? Meinungen, Eindrücke?

2 Like

Habe es leider noch nicht ausprobieren können, aber nachdem ich mir die Kommentare bei facebook unter einem Post der PC Games zu dem Spiel angeguckt habe, kann ich nur sagen:

Es war höchste Zeit für dieses Spiel!

3 Like

das spiel habe ich nur sehr sehr rudimentär verfolgt und weiß daher nicht mal was das für eine mechanik ist. ich habe aber gehofft, dass es auch als mobile game rauskommt falls die mechanik auch aufm handy funktioniert.

Aber vielleicht hole ich es mir. Wie viel Zeit muss man ungefähr darin Investieren?

Der @zandterbird hat es glaube ich in 4 Stunden durchgespielt. Ich habe etwas länger gebraucht, weil ich dauernd per Alt-Tab rausgesprungen bin um Wikipedia-Artikel über die NS-Zeit nachzulesen. Weiß nicht, ob es einen „Wiederspielwert“ im klassischen Sinne hat. Mobile könnte ich mir das sehr gut vorstellen, afaik sind auch weitere Plattformen (also zumindest Konsolen, denke ich) geplant.

1 Like

Ja, 3-4 Stunden bei mir. Allerdings lese ich auch sehr schnell, und bei TTDOT gibt es halt auch viel zu lesen. Und man kann natürlich viel Zeit auf der Übersichtskarte „verplempern“.

2 Like

Habe es ebenfalls durchgespielt. Den Strategie-Aspekt empfand ich schnell als repetitiv, gestört hats mich nicht. Dafür ist das Spiel in anderer Hinsicht zu eindringlich und wichtig. Den mäßigen Metascore kann ich nicht so ganz nachvollziehen.

Übrigens merkt man schnell, dass hier wirklich immense Recherche betrieben wurde. Was hier an zeitgenössischen Details und Ereignissen drin steckt… chapeau!

Zur Spielzeit kann ich leider nichts sagen, da ich zwischendurch Pausen gemacht habe und nicht im Detail weiß, wie stark die erfasste Spielzeit von der tatsächlichen abweicht.

Das Gameplay ist so-la-la. Insofern kann ich die Metacriticwertung nachvollziehen.
Aber als Geschichtsbuch ist es fantastisch. Ich bin auch noch nicht fertig, da ich immer zum Nachdenken und Recherchieren verleitet werde und vergesse weiter zu spielen.

Das ist halt die Frage:

  • beurteile ich es objektiv als Spiel, ob es als Spiel Dinge gut macht, Spass macht, Spielmechaniken sauber funktionieren, motivieren, usw?
  • beurteile ich es als wertvollen künstlerischen/kulturellen Beitrag zu dem Thema?

Metacritic und Spielemagazine beurteilen idR immer (und das finde ich grundsätzlich auch für ihr Profil korrekt) ersteres, ob ein Spiel eine wichtige Botschaft hat ist erstmal zweitrangig.
Das Problem der allermeisten Spiele „mit einer wichtigen Botschaft“ war dann leider auch für mich, dass sie als Spiel nicht gut waren, mit nicht mitrissen, die Spielmechaniken mich eher nervten oder langweilten.
Wie das jetzt hier zu beurteilen ist, kann ich nicht sagen, aber was ich lese klingt wieder so, als wenn man sich so sehr auf die Botschaft konzentriert hätte, dass die Spielmechanik oft eher aufgesetzt wird, das finde ich dann schade, rechtfertigt aber eben auch mittelmässige Bewertungen.

Das ist imo genau der Punkt wo die Reviews scheitern. Ja, man kann wie @Caravaggio das Gameplay „so-la-la“ nennen. Aber jede einzelne Mechanik steht halt im Dienste einer ganz bestimmten Wirkung, die das Spiel erzeugen will – und das machen die Mechaniken durchaus erfolgreich. Die Spielmechaniken können dabei aber auch durchaus mal bewusst versuchen, Spielende zu de-motivieren. Das zeigt sich nicht unbedingt in „Spaß“ an den Mechaniken selbst, aber eben in der gewünschten und sicherlich einzigartigen Wirkung des Gesamtwerks. Aber das ist leider oft zu komplex um es in ein System zu drücken, das am Ende doch zurück zum Spielspaß tendiert (und damit nicht objektiv ist, sondern eben eine Dimension auf der man ein Spiel bewerten kann schwerer gewichtet als andere.)

2 Like

Die Frage ist doch, würdest du das Spiel von seinen Mechaniken her auch gut finden, ohne dieses Thema?
und könnte man das Spiel Spielmechanisch denn nicht allenfalls besser machen?

Nochmals, Reviews haben sich nicht auf die Fahne geschrieben, ein Produkt popkulturell, historisch oder edukativ zu beurteilen, sondern ob das Spiel den Spielern „Spass“ macht (Spass hier eher im Sinne, ob es zum Spielen motiviert, es einem packt, usw).

Für anderes ist das Feuilleton zuständig, das die Gamesbranche mittlerweile ja durchaus auch selbst hat, mit Hintergrundrecherchen, diversesten Blogs, Reportagen, usw.

Die Realität ist aber vielleicht einfach wirklich „als Spiel nicht gut genug gemacht“ und das soll man auch unabhängig des Themas benennen können.
Wieso nicht ein Spiel mit einer wichtigen Botschaft, das zugleich Spielmechanisch so richtig gut gemacht ist? das wäre für alle besser, ich sehe hierbei keinen Grund für das in Schutz nehmen, nur weil die Absicht hehr ist.

Ne, das ist eben nicht die Frage. Die Frage ist: Hilft die Mechanik dem konkreten Spiel dabei, das Gefühl zu erzeugen, das es erreichen will? Unterstützt es das Spiel dabei das zu sagen, was es sagen will?

Diese Entkontextualisierung von Mechanik vom Gesamtwerk™ halte ich eben für ein verkürztes Verständnis von dem was Spiele sind. Das ist ja so als würde man den Schreibstil eines Romans von der Geschichte loslösen. „Ja, die Story ist halt öde, aber die Kommasetzung war richtig geil!“ (Naja, schräger Vergleich, weil solche Vergleiche immer schräg sind.)

Hier stimm ich zu, und ich sag ja nichtmal, dass das keinen Platz hat. Aber wenn ein Spiel wie „Through the Darkest of Times“ kommt merkt man immer, wie furchtbar limitiert dieser Umgang mit Spielen halt ist.

Ne, „gut gemeint“ ist halt nur gut gemacht und nicht gut. Aber „Through the Darkest of Times“ ist meiner Meinung nach eben sehr gut – weil es mit jedem Aspekt des Spiels, Mechaniken, Story, Grafik und Sound, exakt das unterstreicht, was es über den Widerstand aussagen möchte.

1 Like

Heise hat auch was dazu geschrieben:

Die Diskussion ist so eigenartig. Man erwartet ja nicht dass der künstlerische Wert beurteilt wird, aber es komplett zu ignorieren würde bedeuten dass die Story ignoriert werden müsste.

Somit wäre Witcher 3 nicht ein Spiel der Dekade würdig, da es nicht von der Mechanik lebt sondern vom künstlerischen (Story, Atmosphäre und Umgebung). Man kommt einfach nicht an einem ganzheitlichen Ansatz herum.

1 Like

Ich gehöre zu den Miesepetern die behaupten, dass Computerspiele selten Kunst sind - und jene die nah an Kunst dran sind meistens wenig mit Spiel zutun haben. Das ist auch okay so. Wir Deutschen sollten aufhören aus Dingen Kunst zu machen die keine Kunst sind damit wir sie geil finden dürfen. Computerspiele dürfen auch geil sein ohne die Absolution von Kunst zu haben. Und das etwas Kunst ist, heißt noch lange nicht, dass es auch „gut“ ist. Gibt da viele Geschmäcker und mehr Schlechtes als Gutes. Lest Hannah Arendt oder hört auch Schostakovichs 10. an… da habt ihr mehr künstlerische Verarbeitung einer Diktatur aufgenommen als man mitnimmt wenn man 2 Wochen an irgendeinem künslerischem Absolutionsprodukt rumspielt. Aber geil, dass man sich heute damit das Spielergewissen freikaufen kann :wink:

Soll übrigens nicht heißen, dass das Spiel nicht gut ist. Ich bin diesbezüglich noch neugierig und warte ab, da ich ein kleiner Geschichtsnerd bin.

1 Like

Bin bei dir, dass man nicht aus allem Kunst machen muss ums geil finden zu können. Von der öden Kunstbegriffsdebatte hab ich aber gar nicht gesprochen. Man muss ja auch nicht alles dümmer machen als es ist, nur um sich nicht damit beschäftigen zu müssen.

Ist dieses Spiel Kunstscheiße?

2 Like

Beitrag auf Spiegel.de:

https://www.spiegel.de/netzwelt/games/through-the-darkest-of-times-das-haelt-ein-historiker-vom-videospiel-ueber-die-ns-zeit-a-92b9d54a-966b-4e94-9704-b392ba39b251

Mal zwei Reviews aus der Gamespresse: @zandterbird für die GameStar mit einem hohen 70er und 4Players mit einem, je nachdem wie man die Seite sieht, erwartbaren oder überraschend skeptischen 65er.

Ansonsten scheint das echt eher ein Kulturteilspiel zu sein, was ja nichts schlechtes ist. Gibt was in der FAZ und in der taz und in der Zeit und (#eigenwerbung) von mir was im Tagesspiegel.

Erinnert sich noch wer an die Diskussion, der Feuilleton soll Spiele entdlich wirklich ernst nehmen und nicht immer nur pflichtbewusst-verkopft-überrascht über das neue Red Dead Redemption oder Last of Us schreiben? Das passiert hier gerade.

1 Like

spielerisch sieht es sehr öde aus. mal wieder so ein Style over Substance-Game. naja Deutschand halt

1 Like

ich vertraue da mal 4players