Das Kunstscheiße Zelluloid Massaker "Joker"

@sofakissen gehört zu deinen Aufgaben und Fähigkeiten als Sheriff auch das Versorgen des seelischen Wohls der Community?

Musste eben das Kunstscheiße Zelluloid Massaker „Joker“ im Kino ertragen und sehne mich förmlich nach Computerspiel Kunstscheiße um das dauerhaft „Art Shit Image“ aus meinem Verstand zu verbannen.

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Na komm, der Film ist schon Kunstscheiße, aber eben nach journey Art: rundum geil und zu empfehlen! Endgeile Kunstscheiße. Christian Alt würde sagen: scheiße Kunst geilend.

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Tut mir leid., für diesen Film wurde das Wort Kunstscheiße erfunden.
Sicher Joaquin Phoenix spielt das sehr überzeugend. Aber der plot des Films ist einfach shit. Und dann dauert das Massaker auch noch 2 Stunden.
Dieser Film hätte ebenso in 45 Minuten gezeigt werden können und dann hätte man noch eine Stunde Zeit gehabt dem Zuschauer etwas überraschendes zu zeigen.
So war es ein Kammerspiel Kunstscheiße Produkt fürs Kino

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Ich habe den Film letztes Wochenende mit einem Freund gesehen. Filmisch/inszenatorisch finde ich ihn super und Joaquin Phoenix ist mal wieder klasse. Die Referenzen zum „größeren“ Batman-Universum gefallen mir ebenfalls. Dass ein DC/Marvel etc. Film mal einen ganz anderen Weg geht, finde ich prinzipiell sehr begrüßenswert. Was mich allerdings unglaublich stört, ist das vermittelte Weltbild und die jahrzehntelange Opferrolle von Arthur Fleck, die dann irgendwann in Gewalt umschlägt. Natürlich hat Arthur Fleck unglaublich schlimme Dinge erlebt. Er lebt aber auch in einer Welt, in der das System zu 100 Prozent versagt und ihm einen Nackenschlag nach dem nächsten versetzt. Ich erlebe den späteren Joker permanent als Opfer seiner Umstände, bis er dann irgendwann „einen Weg findet, mit den Dingen umzugehen“. Der Entwicklung von Arthur Fleck zuzusehen, tut weh und macht etwas mit mir als Zuschauer. Prinzipiell finde ich das gut, Empathie kann ich mit der Figur trotzdem nicht empfinden. So tragisch sein Werdegang auch ist, könnte jemand, der so kaputt ist, überhaupt aufgefangen werden? Also von einem System, das nicht komplett verdorben und kaputt ist? Arthur Fleck ist so eine unangehme Figur, dass es mich irgendwann nicht mehr interessiert, wie er zu dem wurde, der er ist.

Beim mehrfach referenzierten Taxi Driver habe ich nicht das Gefühl, dass das Weltbild des Protagonisten komplett mit der Welt übereinstimmt, in der er lebt. Es gibt jede Menge Schmutz und Gewalt in der Welt von Travis Bickle und das Vietnam-Trauma scheint omnipräsent, obwohl es - glaube ich - nicht einmal erwähnt wird. Und trotzdem: Die Chancen auf ein besseres Leben verbaut sich Bickle gerne auch mal selbst. Zudem schreit mir Taxi Driver, von den Monologen abgesehen, nicht so dermaßen penetrant ins Gesicht, dass alles, aber auch wirklich alles in dieser Welt kaputt ist. Es ist einige Jahr her, dass ich Taxi Driver gesehen habe, insofern mag mich meine Erinnerung täuschen. Zumindest in meiner Erinnerung lässt Taxi Driver jedoch deutlich mehr Raum, um zwischen dem Innenleben des Protagonisten und seiner Umwelt zu differenzieren.

Zu 100 Prozent habe ich meine Gedanken selbst noch nicht sortiert. Ich hatte einfach nur das Bedürfnis, etwas zum Film loszuwerden. :wink:

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Grundsätzlich habe ich nichts dagegen, dass in Comic Verfilmung neue Wege gesucht werden. Das ist irgendwo schon nötig. Aber der Film Joker hat mit Gotham lediglich die Comic Referenz.
Der Film könnte auch Clown heißen und in New York spielen und es würde dem Zuschauer nichts fehlen.
Isoliert betrachtet ist der Film eine sehr, sehr lang gezogene Geschichte über einen psychisch Kranken, der immer kränker wird und irgendwann explodiert. Dabei verliert er sich selbst in seiner Bild Gewalt und verliert den Zuschauer.

Am Ende dieses Filmes ist man nur deprimiert ob der Zeit, die man geopfert hat um etwas zu erfahren, was nach 15 Minuten klar war. Und die folgenden 1:45 h sind weder überraschend, noch empathisch, noch außerordentlich überzeugend. Sie sind schlicht deprimierend, langatmig und regelrecht störend auf der Suche nach Unterhaltung.
Ich bleibe dabei… Kunstscheiße

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Bei der Aussage kommt mir übrigens direkt Natural Born Killers in den Sinn. Gefühlt sollte der Film eine Satire sein. Dann hat er sich aber so sehr an seinem Bilderrausch aufgegeilt, dass er zunehmend aus dem Ruder gelaufen ist. Irgendwann habe ich ihn nur noch als Gewalt-Porno empfunden.

Das ist ein guter Vergleich, nur dass die Filme unterschiedlich gelagert sind. Bei NBK hätte man sich mal gewünscht, jemand würde noch etwas erzählen wollen. Ich hab NBK tatsächlich nie fertig geschaut. Daheim auf der Couch neigt man schneller dazu aufzugeben als im Kino.
Daheim wäre ich nicht bis zum Ende von „Joker“ gekommen

Mir hat er gefallen.

(Dieser Post muss mindestens 20 fundierte Kritiken enthalten)

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Ich hab gestern die andere heftig gehepyte schwarzhumorige Unterschichten-Parabel gesehen: Parasite. Für ein abschließendes Urteil, ob der Film seine selbst aufgeworfenen Widersprüche und Vorurteile wirklich erfolgreich brechen kann muss ich noch etwas länger nachdenken, dafür war er dann doch zu vielschichtig und betörend clever inszeniert.

Aber mich würden mal vergleichende Meinungen von Leuten interessieren, die beide Filme gesehen haben. Anybody?

Den hab ich (leider) noch nicht gesehen. Glaub aber, dass jeder Kunstscheiße film es bei mir im moment schwer hat

In solchen Fällen vertraue ich meistens dem Urteil eines Mannes, dem man auf den ersten Blick ansieht, dass Kunstscheisse sein Lebensthema ist, dem New Yorker Kritiker Richard Brody:
brody

Parasite ist clever, aber keine Kunstscheiße.

Gestern gesehen und es haben Leute im Kino gelacht. Kurz den Glauben an die Menschheit verloren. Unterhaltsam im gängigen Sinne war daran gar nichts, das war einfach nur verstörend und die perfekte Vorlage für alle Incels dieser Welt (nicht umsonst gibt es jetzt auch Clowncels angeblich). Aber Phoenix ist schon saugut. War er aber schon immer.

Darüber habe ich mich auch gewundert. Klar war „die“ Szene mit der Schere und dem Kleinwüchsigen auch unfreiwillig (oder freiwillig, je nach Perspektive) komisch. Zum Lachen war mir durch die 1,5 Stunden davor aber dennoch nicht…

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Ich finde der Film hat aufgrund der bewusst an Schlüsselstellen platzierten Fragezeichen, genau das gemacht, wie ich es mir immer vorgestellt habe, wenn der Joker seine Origin nacherzählt: Am Ende könnte ALLES eine Lüge/Wahnvorstellung sein.
Das man am Ende des Films nicht mal weiß, ob Thomas Wayne vielleicht doch einer von den bösen war, ob die Figur Arthur überhaupt existiert oder alles nur ad-hoc während der Therapie-Session (am Ende des Films) ausgedacht wurde…

Da der Film auch ohne connected Universe Gedanken gedreht wurde, kann ich ebenfalls darüber hinwegsehen, dass Joker an keiner Stelle genial oder gerissen wie im Original ist, da mit dem Altersunterschied zwischen Bruce und Joker das Modell möglich ist, dass es mehr als nur einen Joker geben kann (wie aktuell in den Comics) und somit auch ein noch klassischerer Joker seine Chance bekommt. Selbst der beschissene Leto-Joker könnte so in dieser Welt existieren.

Handwerklich lasse ich aber so oder so NICHTS an den Film kommen. Er hat verstanden, dass man gerade bei DC Figuren sehr gut Genre-Filme produzieren muss, die dem jeweiligen Charakter entsprechen.
Daher bin ich auch optimistisch wenn ich lese dass der kommende Batman Film eher Noir-mäßig werden soll.

mein einziger Kritikpunkt: Der Film hätte vor 10 Jahren rauskommen sollen. In der heutigen Zeit brauchen wir mehr optimistische Figuren ala Superman und nicht noch jemanden mit dem sich Incels identifizieren können.

Ich hab auch gelacht. Weil da war ja auch ein Clown…:thinking:

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Ich hab darüber jetzt ein bisschen nachgedacht. Selbst dieser Ansatz - egal ob wahr oder unwahr - rettet für mich den Film nicht. Tatsächlich ist es ja so, dass der Film nur ein einziges Mal mit dem Stilmittel spielt, dass sich der Protagonist etwas einbildet, was dann im Verlauf des Filmes aufgelöst wird. Dass ein zwei Stunden Film, ein einziges Detail aus der ganzen Erzählung auf diese Weise auflöst, und den Rest unkommentiert stehen lässt, hilft mir als Zuschauer nicht dabei, den Film auf eine höhere Stufe zu heben. Es lässt mich vielmehr wundern: Wenn das der Ansatz war, warum dann bitte nicht mehr davon?

Ich habe das jetzt schon häufiger gehört (herausragend insziniert, gut geschnitten, Licht, Perspektive etc.). Ich kann damit als Zuschauer ganz wenig anfangen, wenn mir am Ende eines Filmes, der mir schlicht nicht so gut gefällt, das Argument herangetragen wird, er sei „handwerklich“ sehr gut. Dass ist für mich ein bisschen wie ein 5 Gänge Menü, wo jedes Essen ein einzelnes Kunstwerk ist und mir nach 5 Essen gesagt wird, wie handwerklich gut das Essen doch war. Ich aber jeden Gang nur so halbgeil fand. Ich glaube da liegt insgesamt das Problem bei dem Film für mich. Der „Joker“ hätte mich viel mehr abholen können. Aber anstatt nach dem Zuschauer zu gucken, hat der Film auf sich selbst geguckt und sich am Ende selbst insziniert und (mich zumindest) dabei verloren.

Das finde ich zwar gesellschaftlich bedenklich, aber jetzt in puncto des Filmes nicht schlimm. Ein Film sollte seinen künstlerischen Ansatz nicht in Frage stellen, nur weil es Bekloppte gibt, die aus einer eigentlich ungefährlichen Sache (ein Clownskostüm tragen) eine radikale Beklopptenbewegung machen. Wir können und dürfen Filme nicht eindämmen, weil ein kleiner Teil der Bevölkerung daraus etwas gefährliches macht.

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Einschränken nicht, aber anders framen könnte man das schon, finde ich.

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Möchte nur kurz anmerken, dass ein Film, der so viele (kluge) Fragen aufwirft, unmöglich Kunstscheiße sein kann.

Ich war gebannt, geschockt, entsetzt und verstört, habe mein Popcorn nicht anrühren können und danach noch einige Tage über die aufgeworfenen Fragen nachdenken müssen. Das schafft kaum ein Film.

Hat die Mutter „es“ getan? Hat sie nur zugesehen? Wer ist der Vater? Hat er die Waffe wirklich geschenkt bekommen? War nur die letzte Szene Wahn? „Darf“ man die Musik eines verurteilten Verbrechers für die jetzt schon ikonische Treppenszene nutzen? Uvm.

Mein guilty pleasure sind offene Fragen, dahingehend: Überwältigend.

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Irgendwie scheine ich hier eine vollkommen andere Sicht zu haben. Nicht falsch verstehen, ich gönne jedem, den Film spitze zu finden. Ich kann nur auch Tage später das nicht nachvollziehen :sweat_smile:
Und das aufwerfen „vieler kluger“ Fragen, vermisse ich vollständig. Für mich wirft der Film überhaupt keine Fragen auf, weil er das gesellschaftliche Thema nur plakatiert und nicht hinterfragt.
Und die Fragen alá „Who´s done it“, sind für mich nicht klug sondern unbefriedigend, wenn sie am Ende nicht aufgelöst werden.
So etwas klappt für mich in einer Serie (wie z.B. The Mentalist), wo ich über 6 Staffeln der Frage nachjage, wer ist der Serienkiller. Aber in einem Film, der die Frage nie beantwortet, empfinde ich solche Frage nicht als klug, sondern als unnötig. Zumal der Film sie ja nicht selbst stellt, sondern den Zuschauer auffordert aus dem gezeigten, die Frage zu erarbeiten, also die Theorie selbst zu verfassen.

Ich würde den Film so gerne mögen. Aber leider gibt es da nichts zu mögen für mich…