1. Achtelfinale: Kentucky Route Zero vs. Frostpunk

Ich glaube, dass C&C ihr Spiel nur minimal positiv bewerben vor allem damit zu tun hat, dass beide Spiele nur minimal für ein GOTD-Spiel geeignet sind.
Positiv dabei, dass beide gegeneinander antreten ist, dass mindestens eins fliegt schon jetzt rausfliegt, negativ, dass mindestens eins weiterkommt.

Sagt mal, haben wir unterschiedliche Folgen gehört? Beide machen so fantastische, enthusiastisch Liebeserklärungen an ihre Spiele, dass ich noch immer nicht weiß welches ich wählen soll. So emotional war LGS seit der zweiten Staffel nicht mehr!

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Ich muss sagen, Herrn Alts Plädoyer schickt das schiffersche dieses mal auf die Ersatzbank.
Es ist irgendwie faszinierend und abstoßend zugleich. Wie magischer Realismus.

Frostpunk hatte ich damals voller Vorfreude erwartet, habs gespielt - und war dann erstmal drei Wochen lang deprimiert. Egal was man macht, es endet immer irgendwie scheisse. Da wollte ich nett sein und hab Hospizen eingeführt, woraufhin mit das ganze siechende Pack die Kliniken verstopft hat und am Ende alle starben.
Das einzig positive was ich erreichen konnte, war die Kinderarbeitslosigkeit drastisch zu senken.Was aber irgendwie auch nicht so gut ankam… :thinking:

Naja, auf jeden Fall hat das Spiel mich fertig gemacht und ich habs dann auch nie mehr wieder gespielt.

Auf der anderen Seite bin ich für Kentucky Road Zero vermutlich zu dumm.

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Das Geheimnis von Frostpunk: Nicht Hospitze bauen, sondern Kneipen. Viele, viele Kneipen. Kneipen sind das wichtigste Gebäude. Was für eine zärtlich-optimistische Botschaft. Nichts an dem Spiel ist deprimierend.

(Fuck, was für ein gutes Argument, das gewesen wäre…!)

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Ich hab mir die Folge auf Anraten von @Christian.Schiffer nicht angehört. Denn wenn, warnte er, würde ich ihm die Freundschaft kündigen.

Dennoch zur Frage: „magischer Realismus“ oder „Surrealismus“ in Kentucky Route Zero .

Magischer Realismus bezeichnet vor allem das Kombinieren von der geistig wach wahrgenommenen und der eben magischen Welt, wie wir sie in Träumen, Halluzinationen und Rauschzuständen stattfindet. Das passierte vor allem in der Malerei. Aber auch der Literatur. Frühe Beispiele sind beispielsweise Geschichten über Doppelgänger. In der moderneren Literatur kommt aber auch das Überkreuzen von Mythen und Aberglauben dazu; Omen, Zeichen am Himmel, Pech, Glück … einige Geschichten von Philip K. Dick könnten unter dem Label magischer Realismus laufen. Und heute auch Romane von afroamerikanische Autoren wie Nnedi Okorafor.

Surrealismus ist schwer zu fassen und einheitlich zu definieren. Denn stellenweise lässt er sich vor allem in der Literatur, im Film und damit auch im Videospiel schwer komplett vom Magischen Realismus trennen, da es durchaus eine Schnittmenge zwischen beiden gibt. Denn auch der Surrealismus beschwört Traum- und Rauschbilder. Aber er bedient sich auch des Fantastischen, der Übersteigerung, einer überzogenen Brutalität, der (optischen wie aber auch emotionalen) Verformung von Alltagsgegenständen und Situationen und einer Abkehr von jeglicher Logik. Frühe surreale Filme porträtierten daher meist einfach vollkommen widersinnige und schwachsinnige Situationen oder bizarre Szenen.

Spätere Werke wie Spellbound verzerrten und „verkehrten“ die Realität und streuten gezielt surreale Elemente ein, die aber stellenweise auch als magischer Realismus gelten könnten. Menschen ohne Gesicht, zu große Stühle oder Sonnenstrahlen, die aus der falschen Richtung kommen – das alles in einer sonst sehr „realen Welt“.

Ganz klassisch surreal wäre hingegen David Lynchs Rabbits. Und auch Fando y Lis oder The Holy Mountain von Alejandro Jodorowsky ist von Anfang bis Ende ziemlich surreal.

Andere Werke von Lynch, die gerne als surrealistische Werke bezeichnet werden, sind es eigentlich nur in Teilen. Inland Empire Lost Highway , Mulholland Drive tanzen eher so im Grenzbereich zwischen Surrealismus und Magischer Realismus. Und das auch nur über rund 15 Prozent ihrer Laufzeit.

Insgesamt gleiten heute in vielen Werken magischer Realismus und Surrealismus stark ineinander über; es gibt nur vergleichsweise wenig klare Ausprägungen – abgesehen von Malereien und Experimentalwerken. Vor allem im sogenannten New Weird gehen Elemente aus beiden Strömungen sogar harmonisch und ziemlich gezielt Hand in Hand.

Die Handlungen und „Bilder“ in Jeff Vandermeers Born , Dead Astronauts und Veniss Underground folgen etwa einer Traumlogik; sind von non kausalen Vorgängen, abrupten oder unbeschriebenen Übergangen in Zeit und Raum gezeichnet. Während die Welt in der die Stories angesiedelt sind eher surrealistische Prägung haben.

Insgesamt bin ich damit der Meinung, dass Kentucky Road Zero zwar gemeinhin als surreal bezeichnet werden könnte – ähnlich wie eben die Lynch-Werke. Es beziehungsweise einige surreale Elemente umfasst. Aber insgesamt dürfte es strenggenommen eher dem magischen Realismus zuzuordnen sein. Aber noch treffender könnte man eben auch einfach dem New Weird zuweisen.

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Beide Spiele liegen bei mir bereit, gespielt habe ich sie bisher aber noch nicht. Die Erwähnung von David Lynch hat mir eigentlich schon gereicht, das Plädoyer war dann das i-Tüpfelchen. Dieses Mal ein klarer Punktsieg für Christian A.

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Ich bin sehr froh, dass du hier bist.

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@christian.alt, @Christian.Schiffer, die Idee zu einer Sonderfolge mit den besten SI-Basiseinheiten in Spielen unterstütze ich voll und ganz!!!

Vorschläge:
Länge in Japanogedöns
Masse von Free2Play-Titeln
Zeit in bumsöden Spielen
Temperatur in Frostpunk
Stoffmenge in Kunstscheiße
Lichtstärke von Serious Games
Stromstärke …

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Es ist passiert! Christian Schiffer unterstützt das bessere Spiel mit den richtigen Argumenten, ergo Team Schiffer! Ich freue mich ehrlich für dich. So schön! <3 Natürlich Frostpunkt. Kneipen, Kälte, Kinderarbeit - Da haben Spiele gelernt unfreundlich zu sein!

Eine Anmerkung: Kunstscheiße war doch kein negativer Begriff! Journey ist ganz klar welche, gehört aber in diese Abstimmung weil Kunstscheiße eben richtig geil ist!

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Das gibts nichts. Alienkartoffel und ich, Seit an Seit streitend, die BoTW-Differenzen hinter sich lassend. Frostpunkt, das ein kleine, kalte, Kinderarbeits-Spiel, das den Frieden bringt. Schwerter zu Treibhäuser!

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Beste Alliteration in der Geschichte von LGS.

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Würde trotzdem mit der Alliteration bzw. der Abkürzung "KKK "nicht unbedingt außerhalb des Forums hausieren gehen

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Also auch wenn ich im anderen Thread auf meine Hauptschul street credibility poche: Kentucky Route Zero ist für mich nicht nur ein Spiel für Gymnasier, sondern ein Meisterwerk. Praktisch das Citizen Kane des magischen Realismuses!!!
Manches davon ist Spielerei, intertextuelles postmoderne Rumgeeiere, aber zu weiten Teilen ist das Spiel wahrhafte Poesie, melancholisch im schönsten Sinne, immer mit Fokus auf die Abgehängten, die Kaputten, die Tragischen. Müsste hier also gut ankommen. Und wer bei der Barszene in Episode 3 nicht emotional aus den Latschen kippt, ist eh Call of Duty Fan. Ich habe Frostpunk nicht gespielt, aber es kann faktisch nicht besser sein.
Jeder Mensch, der Journey für große Kunst hält, sollte 2 Sachen bekommen: a) eine Backpfeife und b) Kentucky Route Zero, und mal zu merken, wo der Artfrosch die Kunstlocken hat. So!

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Ich zitiere mal random den Steam User Yogi:
„KRZ is more akin to a visual novel than a game. But due to the story being so nonsensical, you’d be better off just reading an interesting book. Many of the positive reviews of the game can be summed up as “there’s meaning here for those that seek it”. Oh please. Such vapid statements are the same ethereal, mystical nonsense this supposed “story” consists of.“

Was mich wieder mal in meinem Vorurteil bestätigt, dass man nur irgendeinen vagen Scheiß zusammenklöppeln muss und es findet sich jemand, der das für das nächste Ulysses hält.

Und es komme mir bitte keiner mit John fucking Steinbeck. Wenn Grapes of Wrath irgendwas ist, dann scheißenlangweilig!

Ich hab über den Ronz Vorabiklausur geschrieben und über 6 Seiten so zu tun, als sei das Ding nicht nur nicht scheißenlangweilig, sondern hätte über den offensichtlichen Mist (Die große Depression war für viele Leute schon ganz schön scheiße) hinaus noch etwas zu sagen, ist eine prosaische Meisterleistung, für die ich einen Literaturpreis verdient hätte! (Und nicht die 3+ die ich dafür tatsächlich bekommen habe :smiley: )

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Da bleibt die Frage, ob einem ein Werk denn immer irgend etwas sagen muss. Reicht es nicht, etwas extrem kunstvoll auszudrücken, sei es nun die Misere de großen Depression oder eine Nabelschau des modernen Amerikas, als die man Kentucky Route Zero in Teilen lesen kann, aber eben nicht muss.
Ich fand zum Beispiel deshalb Brechts Stücke immer eher langweilig. Die Botschaft passt auf nen Bierdeckel, die Kunstfertigkeit der Verpackung aber eben meistens auch…

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Klingt die wie hochgestochende Wirkungsweise von Globuli. Heilung wird hier finden der auch daran glaubt.

Also kann man Kentucky Route Zero also das Placebo der Spiele bezeichen?

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Brecht kann ich auch nicht ausstehen, „Der gute Mensch von Sezuan“ ist ein weiteres schönes Beispiel dafür, wie man junge Menschen zu Bücherverbrennern erziehen kann, um mal frei Jochen Gebauer zu zitieren.

Ich vertrete ja die Meinung, dass man, wenn man etwas zu sagen hat, das Ganze doch auch bitte ansprechend verpacken soll.

So schwer ist das nicht, es gibt zig Autoren da draußen, die das ohne Probleme hinkriegen.

Aber ihhh, das wäre ja „Unterhaltung“ und da kriegt der Möchtegernauteur ja ganz schnell Schnappatmung.

Andersrum ist ein Werk, das vielleicht handwerklich gut gemacht ist, aber im Grunde nichts zu sagen hat (wo ich KRZ verorte), mir unterm Strich egal.

Das ist das literarische Äquivalent zur „Muckermusik“, etwas wo anderen Schreibern einer abgeht, was für den durchschnittlich Rezipienten aber nur überkompliziert und inaltsleer ist.

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Als Augsburger bin ich soweit mir bekannt per Stadtverordnung dazu verpflichtet, Brecht gut zu finden.

Und außerdem, wer sitzt denn bitte nicht gerne 7 Stunden in einer ungekürzten Baal-Inszenierung??? :face_with_monocle:

Die weitaus wichtigere Frage, die das Zünglein an der Waage sein dürfte, wurde im Cast NICHT beantwortet (und ich bin zu faul, das selbst nachzuspielen): Can you pet the dog in KRZ? @christian.alt, übernehmen sie!

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